Die unmögliche Vertreibung des Herrn B.

Das Vogelnest wurde zugemauert. Der Weltbürgersaal – geschlossen? Das Licht am Ende des Tunnels war der Todesschuss- oder? Aber Herr B – ja, der wohnt noch hier. Die haben das neue Haus um seine Schrankwand gebaut. Neben dem Haus bauen sie jetzt neuere Häuser. Über Leben im Aufbau, über das Überleben in Kreuzberg, erzählt von Herrn B.

Die multimediale Stadtraum-Performance “Die unmögliche Vertreibung des Herrn B.” beleuchtet gesellschaftliche Widersprüche aus Distanz und Nähe, Vertreibung und Widerstand unter dem lokalen Brennglas, verwickelt sie in ein Spiel, in dem eine grundsätzliche Berührung mit der so genannten „neuen Wirklichkeit“ möglich ist.

Das tak Theater Aufbau Kreuzberg wird im September zum Portal: Das tak- Kollektiv erkundet die fiktive Welt eines gewissen Herrn B, der sich schon lange seiner eigenen Vertreibung aus dem Heimatbezirk erwehrt, erzählerisch in fünf Vignetten, die sich zwischen Audiowalk und Performance-Parcours bewegen:

DAS AUFBAU HAUS ist das kreative Kiezkaufhaus am Moritzplatz. France-Elena Damian hat in dokumentarischen Interviews die Mieter porträtiert. Klaus ist Urberliner, mit Hilfe seiner Eltern konnte er seine erste Tischlerei eröffnen. Ala kommt aus dem irakischen Kurdistan, mit 18 konnte sie noch kein Wort Deutsch, jetzt träumt sie von einer zweiten Schneiderei. Der Verlag fand im Aufbau Haus seine neue Heimat, auch wenn Christoph, der Modulorgründer, das Ganze lieber Planet Modulor genannt hätte. Doch nun steigt er aus diesem Planetensystem aus und hinterlässt uns eine Botschaft. 

Zwischen dem Untergrund der U-Bahn-Haltestelle Moritzplatz und dem des Fluchttunnels zwischen Sebastian- und Heinrich-Heine-Straße entwirft Lydia Ziemke (suite42) IM (DOPPELTEN) UNTERGRUND unter Mitwirkung eines Chores von (Zeit-)Zeug*innen verschiedene Versionen der Geschichte auf der Suche nach dem Exit aus „deutsch-deutschen Untergründen“.

Sie leben oft unsichtbar unter uns, die tatsächlich Vertriebenen, die in diesem Kiez leben. Ihnen wird keine Stimme zugestanden, sie dürfen nicht wählen und doch sind sie aktiv. Der TAK e.V. begibt sich auf eine Spurensuche und trifft auf Menschen, die sich behaupten und mit ihrer Resilienz einen neuen Weg für sich finden. 

In ZWANGSRÄUMUNG führt Stefanie Aehnelt durch die Oranienstraße in den Kirchgarten von St. Jacobi. Sie thematisiert an einem lokalen Beispiel die Frage von Zusammenleben vs. Verdrängung. Es geht um nichtmenschliche Mitbewohner der Stadt – Vögel. Sie fordert in einer Live-Performance zwischen Aktivismus und Sinnlichkeit eine STADT FÜR ALLE.

Im HÖRSPIEL DES HERRN B. verbindet kainkollektiv die verschiedenen Stationen und Geschichten. Der Moritzplatz wird zum Syptomschauplatz einer utopischen Fantasie: die heterogenen Stimmen, die ihn bevölkern, zu einem vielstimmigen und -sprachigen Chor der Nachbarschaft zu fügen und die Potentiale seines Widerstands hörbar und erlebbar werden zu lassen: Herr (Kreuz)B.(erg) bleibt, denn dieser Kiez ist kein Kaufhaus!

Von und mit: Stefanie Aehnelt, Herrn B., France-Elena Damian, kainkollektiv (Fabian Lettow, Mirjam Schmuck), Caram Kapp, Anna Koch, Moritz Pankok, suite42 (Öz Kaveller, Nils Lauterbach, Lydia Ziemke, u.w.), Svenja Kuhr, Angela Laich, Brigitte Rilke, Alexandra Voiades, und vielen mehr...
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