FIN DE MACHINE / EXIT.HAMLET

Die Straßen von Kameruns Hauptstadt Yaoundé sind eine real gewordene Darstellung des Fegefeuers: Alles-Verkäufer, die ihre Waren auf den Köpfen balancieren, Priester der Feuerkirche, tote deutsche Kolonialherren auf einem Friedhof vor dem Finanzministerium, Straßenhunde ohne Ohren, der Goethe-Elefant mit zu kleinen Ohren, Flughunde mit Riesenohren, revoltierende Studenten, Gelegenheitsdiebe, Trommelspieler, weiße Eulen, gelbe Taxikolonnen, Kinder in französischen Fußballtrikots, eine ganze Dorfgemeinschaft auf der Suche nach ihrem Dorf, das Echo der Film-Ansager in den toten Kinos der Stadt, einer Stadt ohne Bilder, wie eine unermessliche verlassene Baustelle wuchernd… Inmitten des Gewimmels: eine europäisch-afrikanische Geisterjäger-Truppe um den kamerunischen Komiker Hamlet Guy Kono auf der Suche nach der geborstenen Zeit oder besser nach ihrem Ausgang: Himmel oder Hölle?

In unserer ersten Kooperation begeben wir uns mit dem kamerunischen Regisseur Martin Ambara und seinem Theaterlabor OTHNI auf theatrale Spurensuche nach den Hinterlassenschaften europäischer Kolonialgeschichte in Kamerun und dem Lebensgefühl  in Yaoundé. Zusammen mit PerfomerInnen beider Gruppen besteigen wir die Kolonial-Maschine, um ihre Konstruktionspläne zu studieren: Ist ein Ausstieg/Umbau möglich?
In einer Inszenierung zwischen Performance und Installation geht es um die gleichzeitige (Un-)Möglichkeit des Fremd-Seins und der Zeitgenossenschaft im 21. Jahrhundert, um Komplizenschaft in einer globalen Verschwörung, die überall, ob in Kamerun oder Deutschland, ihre Spuren hinterlässt.

Presse

"[Eine] außergewöhnliche Spurensuche, deren Verdienst darin liegt, dass es ihr wichtiger ist, Fragen zu stellen, als vorschnelle Antworten zu liefern."
"Ich habe immer mit diesem Schmerz gelebt", sagt Martin Ambara. "Aber hier weiß keiner, dass die kleinste Entscheidung in Europa immense Auswirkungen auf Afrika hat. Wenn ich mit Leuten hier rede, die das alles nicht wissen, frage ich mich, in welcher Welt wir eigentlich leben. Das zeigt, wie sehr Europa abgeschottet ist. Manchmal habe ich den Eindruck, wenn die Europäer von der Welt sprechen, denken sie an nichts anderes als Europa."
Entre deux – zwischen zweien, ob es sich nun um Menschen oder Dinge, Staaten oder Zeiten handelt, liegt immer ein leerer Raum, der sich alleine über die beiden Parteien, Dinge oder Zeiten jenseits seiner Grenzen definiert. Es ist eine Frage der Perspektive, was wichtiger ist: die beiden Pole oder der Raum, der zwischen ihnen entsteht?
Fin de machine / Exit.Hamlet" entwickelte sich zu einem cross-over Theaterabend über Kolonialismus und europäisch-afrikanische Zeitgenossenschaft zwischen Schauspiel und Tanz, Video und Musik. In Scala erzählt Regisseur Fabian Lettow von den Proben und den Erfahrungen der deutsch-kamerunische Grenz-Überschreitung.
„In Yaoundé kann dir alles passieren. Die Stadt ist ein wild wuchernder Koloss.“ Die Rede ist hier von der Hauptstadt Kameruns. Einer, der viel über die etwas andere Metropole in Zentralafrika erzählen kann, ist der Krefelder Nils Voges. Der Grafiker und Videokünstler war den ganzen August über in Yaoundé und hat dort ein Theaterprojekt begleitet, das jetzt nach Deutschland kommt.
Konzept und Inszenierung kainkollektiv (Lettow/Schmuck) und Martin Ambara Video sputnic (Nils Voges) Sound Rasmus Nordholt Bühne sputnic (Malte Jehmlich), herrwolke Kostüm Emese Bodolay Produktionsleitung Kirsten Möller Technische Leitung Stefan Göbel Regiemitarbeit Kathrin Ebmeier Mit François Stéphane Alima Mbarga, Antoine Effroy, Junior Moïse Esseba, Catherine Jodoin, David Guy Kono, Edith Nana Tchuinang Fotomaterial © Stephan Glagla  
Eine Produktion von kainkollektiv und dem OTHNI - Laboratoire de Théâtre de Yaoundé. In Koproduktion mit Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr, FFT Düsseldorf und kampnagel Hamburg. Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein -Westfalen, die Kunststiftung NRW und das Kulturministerium Kamerun, sowie im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes.